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VVB Tapas » Bericht 01/2019-6



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Tapas aus dem VVBmagazin 01/2019


 

 

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Bericht von der Tagung des Fachkreises Krankenversicherung am 20. 11. 2018 in München

Kooperation statt Konfrontation – der Wandel in der PKV wird sichtbar

von Christian Frenzel (K/B2) Fachkreisleiter Krankenversicherung


 

Dass in der privaten Krankenversicherung der Veränderungsdruck steigt, ist für jedermann sichtbar. Neben den „Klassikern“ Regulatorik und Kostendruck sorgen die Treuhändlerdiskussionen und die Sorge vor neuen Disruptoren für viel Unruhe.

Eine mögliche Antwort könnte daher die gesteigerte Lust auf neue Formen der Zusammenarbeit sein. Was vor noch nicht so langer Zeit als undenkbar galt, ist heute in vielerlei Sicht schon Alltag.  Den Weg in die Zukunft sieht die Branche in Kooperationen mit Konkurrenten, der GKV sowie Dienstleistern. Hierzu sollen Plattformen helfen, die Schnelligkeit und Flexibilität deutlich zu erhöhen, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Am 20. November lud die Vereinigung der Versicherungs-Betriebswirte e.V. mit freundlicher Unterstützung von Jens Stäcker und msg zur Fachkreistagung Krankenversicherung in München ein. Die Tagung war die dritte Fortsetzung zum Thema „Plattformstrategien in der Krankenversicherung“ mit der Frage: „Gibt es neue Formen der Kooperationen?“. Diese Frage wurde eindeutig durch die referierenden PKV-Vorstände bejaht. Diese Kooperationen seien eine notwendige Antwort auf die fortschreitende Digitalisierung in der Krankenversicherung und ihre Herausforderungen.

Natürlich sind sich alle Beteiligten darüber klar, dass sich nicht alle Plattformen durchsetzen werden, und das Rennen hierzu ist gerade erst gestartet.

    Bringen Kooperationen finanzielle Mehrwerte?

    Ex-Gesundheitsminister Daniel Bahr, heute Vorstandsmitglied der Allianz Private Krankenversicherungs-AG, erklärte: „Die Debeka als Marktführer macht uns keine Sorgen, aber die geänderten Anforderungen der Kunden. Gerade die junge Generation will One-Click-Shopping wie sie es von Amazon gewöhnt ist. Darauf müssen wir als Versicherer Antworten finden“.

    Laut Daniel Bahr müssen sich die Krankenversicherer von einem „Inkassounternehmen“ zu digitalen Servicepartnern wandeln.

    Daniel Bahr
    Daniel Bahr


Vertriebserfolg in der privaten Krankenversicherung stelle sich ein, wenn Versicherer sich beim Kundenerlebnis an digitalen Marktführern wie Amazon, Uber, Airbnb und booking.com orientierten – und nicht an anderen Krankenversicherern. So die These von Daniel Bahr.

„Diese Player haben vorgeführt, wie etablierte Branchen durch individualisierte Massenansprache und mit wenig Branchenerfahrung aus ‚Big Data‘ geschneiderten Produkten erfolgreich angegriffen werden können“, stellte Bahr fest. 80 Prozent der PKV-Kunden würden sich mittlerweile vorab über das Internet informieren, so Bahr. Antworten innerhalb von 24 Stunden, Zusatzdienstleistungen wie Telekonsultationen und einfache Abschlussprozesse seien entscheidend für zufriedene Kunden im für Krankenversicherer relevanten Segment der 14- bis 29-Jährigen, erklärte Bahr.

Offene Plattformen wie das Gesundheitsportal „Vivy“, das im September unter Beteiligung der Allianz, der Barmenia Krankenversicherung a.G., der DAK – Deutsche Angestellten Krankenkasse sowie zehn Betriebskrankenkassen an den Start ging, „befriedigen die heutigen Kundenbedürfnisse besser“, gab sich Bahr überzeugt. Zusätzlich werden die Gothaer Krankenversicherung AG und die Süddeutsche Krankenversicherung a.G. wahrscheinlich ihren Versicherten den Vivy-Zugang Anfang 2019 zur Verfügung stellen.

Kooperationen, die Plattformen wie Vivy ermöglichen, stellen allerdings nicht nur einen Mehrwert für die Versicherten, sondern auch für die angeschlossenen Gesellschaften dar. „Die Plattformen stehen allen Gesellschaften offen. Je mehr Teilnehmer mitmachen, desto attraktiver ist die Finanzierung“, so Daniel Bahr.

Herausforderung: Finanzierung der Mehrwerte

Insgesamt geht es nicht nur um Dienstleistungsunternehmen, welche IT-Infrastrukturen und Plattformen bereitstellen. Auch Gesundheits-Dienstleister wie Tele-Clinic GmbH oder die Carelutions GmbH werden für die Branche immer wichtiger. Carelutions wurde 2017 von der Debeka, der SDK und dem medizinischen Dienstleister Viamed GmbH gegründet.

„Diese Kooperationen machen Gesundheitsprogramme der Versicherer skalierbarer und rentabler“, sagte Roland Weber, Vorstandsmitglied der Debeka Versicherungen.

Weber zeigte sich skeptisch über die Konkurrenz zahlreicher Plattformen, Apps und Standards verschiedener Marktteilnehmer. Weber glaubt, dass ein solch normiertes System ein Startpunkt für eine notwendige branchenweite Plattform sein könne. „Es ist falsch, dass sich Versicherer mit Apps untereinander Konkurrenz machen, und der Kunde gar noch mehrere Apps bedienen muss, um zum Beispiel noch eine Beihilfe zu erhalten.“

Faire Verteilung der Mittel

Die finanziellen Mittel müssten aber „fair zwischen Versicherern und Dienstleistern verteilt werden“, so Oliver Schoeller, seit zwölf Monaten Vorsitzender des Vorstands der Gothaer Krankenversicherung. Die Entwicklung in Richtung Gesundheits-Dienstleister sei hier ein wichtiger Schritt, da Patienten selbstbewusster würden und das Angebot „einer personalisierten Medizin“ von ihrem Versicherer erwarteten.

Der Weg dahin führe, so Schoeller, über den Kontakt zum Kunden und seine Daten, um Angebote in der PKV individueller und flexibler gestalten zu können. Allerdings müssten sich die neuen Modelle und Offerten mit den strengen Regularien des deutschen Gesundheitssystems vereinen lassen – und gleichzeitig genügend Flexibilität vor kommenden Disruptoren bieten.

Check24 als größter Disruptor der Versicherungswirtschaft

Die Frage, warum Plattformen und Portale neue Chancen für die PKV bieten, ging Debeka-Vorstand Weber anders als seine Vorredner an. Als größten Disruptor bezeichnete der Manager Vergleichsplattformen wie die Check24 Vergleichsportal GmbH oder die Verivox GmbH.

„Alle Versicherer, bis auf Debeka und die Huk, arbeiten mit diesen Plattformen zusammen. Sie sind abhängig von diesen Maklern. Man sollte dabei nicht vergessen, dass Check24 das Geschäftsmodell der Direktversicherer kaputt machte“, erklärte Weber seine These.

Als Alternative will die Debeka Check24 & Co. gemeinsam mit Wettbewerber HUK-Coburg Krankenversicherungs-AG die noch junge Plattform „KV-Fux“ entgegensetzen. Fux ist ein von der KVpro.de GmbH entwickeltes Online-Vergleichsportal.

     

    PKV kämpft mit der eigenen Langsamkeit

    Als nächsten Hemmschuh der PKV machte Weber den Kampf mit der eigenen Langsamkeit aus. „Wir stecken unsere Entwicklungskapazitäten in die Modernisierung von alten Systemen. Das kann nicht gut gehen“, so der Debeka-Manager.

    Als Lösung für die Versicherer sieht er hier die Service Dominierte Architektur (SDA). Sie kommt von Anbietern wie der Hamburger SDA SE, die Schnittstellen zu Dienstleistern wie Pay Pal, Mysugar, SAP Hana oder der elektronischen Gesundheitsakte (eGA) ermögliche. Der Kunde könne über die neuen Gesundheits-Plattformen der Versicherer dann einfach auf diese Services zugreifen. Die Plattform SDA war Teil der letzten Fachkreistagung im Mai in Stuttgart.

    Roland Weber
    Roland Weber

Portal „Meine Gesundheit“ soll bald starten

Dr. Harald Benzing, im Vorstand der Versicherungskammer Bayern (VKB) verantwortlich für die Krankenversicherung, stellte auf der Fachkreistagung Krankenversicherung das Portal „Meine Gesundheit“ vor. Die VKB wird ihren Versicherten den Zugang ab Anfang nächsten Jahres ermöglichen.

Das Portal bietet den Versicherten die Möglichkeiten der elektronischen Patientenakte (ePA), die Abwicklung des Rechnungs-Managements sowie zusätzliche Services.

Im Oktober hatte sich die Huk-Coburg-Krankenversicherung AG dem Portal angeschlossen. Neben der Axa Krankenversicherung AG sind schon der Debeka Krankenversicherungs-Verein a.G. und die Versicherungskammer Bayern dabei.

Außerdem an Bord sind nach Aussage von Benzing die DBV Deutsche Beamtenversicherung Krankenversicherung,  Zweigniederlassung der Axa Krankenversicherung AG und UKV – Union Krankenversicherung AG.

Mehrere Portale wollen E-Health-Gesetz umsetzen

Die Versicherungswirtschaft arbeitet 2018 mit Hochdruck an der Umsetzung des E-Health-Gesetzes, das die Einführung der elektronischen Patienten- oder Gesundheitsakte vorschreibt. Dafür kooperieren Krankenkassen und private Krankenversicherer im großen Stil.

Derzeit bieten die Krankenversicherer verschiedene Plattformen an, unterstützt von unterschiedlichen Dienstleistern aus der IT-Branche:

  • Gestartet ist bereits das Gesundheitsportal „Vivy“: Dahinter stehen Allianz, Gothaer, SDK, Barmenia, DAK und zehn Betriebskrankenkassen. Darüber, wie viele Versicherte Vivy nutzen, ist noch nichts bekannt. Allianz-Vorstand Bahr bezeichnet die Vivy-Nutzerzahlen noch „als Betriebsgeheimnis“ des Münchener Konzerns.
  • Mit elektronischen Gesundheitsakten (eGA) wollen noch 2018 die DKV Deutsche Krankenversicherung AG, die Central Krankenversicherung AG und die Signal Iduna Krankenversicherung a.G. starten. Vorreiter bei der Entwicklung war die Techniker Krankenkasse (TK): Das zugrundeliegende System entwickelten die IBM Deutschland GmbH und die TK gemeinsam. Stefan Riedel beschrieb aus Sicht der IBM die Notwendigkeit von Plattformen in der Krankenversicherung anhand der elektronischen Gesundheitsakte der TK.
  • Gesundheitsportal „Meine Gesundheit“: Theoretisch könnte die Plattform nach Anbieterangaben 50 Prozent aller Vollversicherten und einen Großteil der Beihilfeberechtigten erreichen.

Akzeptanz von Patienten und Ärzten noch unklar

Wie die Versicherten die verschiedenen Portale annehmen und nutzen werden, wird sich erst im Laufe des nächsten Jahres zeigen, wenn alle Unternehmen ihren Versicherten den Zugang zu den Plattformen ermöglichen. Grundsätzlich scheinen die Deutschen aber für die Mehrwerte wie elektronische Gesundheitsakten offen.

Ärzte und Apotheker stehen der Einführung der digitalen Instrumente allerdings immer noch skeptisch gegenüber. Jeder vierte niedergelassene Arzt in Deutschland (28 Prozent) will sich derzeit nicht an die Telematik-Infrastruktur für Anwendungen der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) anschließen.

Auch die Vorstände der PKV-Versicherer auf der Fachkreistagung Krankenversicherung hielten sich hier mit Prognosen zurück. Einigkeit herrschte allerdings in dem Punkt, dass es wichtig sei, mit den Portalen jetzt zu beginnen.

Welcher Standard sich dann bei Versicherten und Leistungserbringern durchsetze, würden erst die nächsten Jahre zeigen.


    An dieser Stelle möchte der Fachkreis Krankenversicherung sich für die Unterstützung des Hauses msg und insbesondere bei Jens Stäcker bedanken.
    Dieser Artikel nutzt teilweise die Veröffentlichungen der Journalisten Cornelia Hefer und Martin Winkel.

    Die Teilnehmer der Podiumsdisskussion v. li.: Dr. Hans Olav Herøy, Gerd Güssler, Daniel Bahr, Stefan Riedel, Dr. Harald Benzig (Fotos: Christian Frenzel)
    Die Teilnehmer der Podiumsdisskussion v. li.: Dr. Hans Olav Herøy, Gerd Güssler, Daniel Bahr, Stefan Riedel, Dr. Harald Benzig (Fotos: Christian Frenzel)



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