Als Auftakt zu diesemFestakt begrüßte Professor Dr. Karl Maier, geschäftsführender Direktor des IVW,die etwa dreihundert anwesenden Gäste und skizzierte das geplante Programm ausdiversen Grußworten, einem historischen Abriss über die bisherige Entwicklungdes Institutes, fachlichen Vorträgen und verschiedenen Ehrungen. Untermaltwurde dies alles musikalisch wie kabarettistisch, letzteres durch „ne bergischeJung“ namens Willibert Pauels.
Nachdem unter anderem Professor Dr. Dr. hc Joachim Metzner, Präsident derFachhochschule Köln, und Dr. Bernhard Schareck, Vorsitzender des Hochschulratesund ehemaliger Präsident des GDV, Worte des Grußes an die vielen Teilnehmergerichtet hatten, stellte Professor Dr. Jürgen Strobel, früherer Dekan desFachbereiches Versicherungswesen und jetziger Prodekan der Fakultät fürWirtschaftswissenschaften der FH Köln, die 60-jährige Historie des IVW von derGründung im Jahre 1949 bis heute in beeindruckender Weise dar. Hierbei ließProfessor Dr. Strobel die langjährigen und fortdauernden Unterstützungenunserer Alumni-Organisation „VVB“ und des Förderervereins nicht unerwähnt. DieVVB brachte sich über viele Jahre intensiv auch durch ihren damaligenVorsitzenden Henner D. Gottschling ein, während dessen Nachfolger, WolfgangFranke, dies seit geraumer Zeit mit nicht weniger Leidenschaft und Einsatz tut.Neben dem Engagement zahlreicher Versicherungs-Gesellschaften basiert die Hilfedes Förderervereins auch auf der Tätigkeit vieler bedeutender Personen.Besonders hervorzuheben ist hier Professor Dr. A. Wilhelm Klein, ehemaligerGeneraldirektor der Gothaer Versicherungen, der seinerzeit an der Einrichtungdes Förderervereins initiativ mitwirkte. Die vollständige Rede von Herrn Professor Dr. Strobel stellen wir Ihnen,liebe Leserinnen und Leser des VB, im Folgenden zur Verfügung und danken demAutor für seinen Beitrag.
Fachvorträge von Herrn Professor Dr. Dirk-Carsten Günther und HerrnProfessor Dr. Oskar Goecke gaben der Veranstaltung den wissenschaftlichen„Touch“, welchen man von einer so exzellenten Ausbildungsstätte erwartendurfte. Die Ausführungen dieser beiden anerkannten Dozenten unterstricheneinmal mehr die Relevanz und das über Jahrzehnte erworbene und gefestigteRenommee des IVW.
Einen Höhepunkt der insgesamt sehr gelungenen 60-Jahr-Feier des IVWbildete die Verleihung der Ehrenmedaille der FH Köln an den langjährigenVorsitzenden der VVB, Wolfgang Franke. Professor Dr. A. Wilhelm Klein trat indiesem Akt als Laudator auf und bestätigte Herrn Franke mit der begehrtenAuszeichnung, dass er sich sehr um das IVW und die Fachhochschule Köln verdientgemacht hat.
Die Professoren Dr. Metzner, Dr. Maier sowie Dr. Schareck freuten sich mitHerrn Franke und sprachen ihre Anerkennung für die hervorragende Arbeit der VVBaus.
Das Redaktionsteam des VB schließt sich den Glückwünschen für WolfgangFranke an, gratuliert nicht weniger herzlich dem IVW zu seinem besonderenJubiläum und wünscht allen Verantwortlichen und Mitgestaltern auch weiterhinein „glückliches Geschick“ bei der Planung und Umsetzung von Maßnahmen im Sinneeiner vortrefflichen Ausbildung motivierter Studierender und der Eröffnung vonChancen für erfolgreiche Absolventen.
Stefan van Marwyk(03)
RedaktionVersicherungs-Betriebswirt (VB)
Rückblick auf die ersten 60 Jahre
Vortrag von Professor Dr. Jürgen Strobel

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
verehrte Gäste,
ich habe meinem Vortrag den Titel „Rückblick aufdie ersten 60 Jahre“ gegeben. „Die ersten 60 Jahre“ – diese Formulierung solldarauf hindeuten, dass wir zwar bereits einen beachtlichen Weg zurückgelegthaben, dass ich aber selbstverständlich auch davon ausgehe, dass wir noch vieleweitere (hoffentlich gute) Jahre vor uns haben. Ich möchte also im Folgendenmit Ihnen gemeinsam einen Blick auf die zurückliegenden Jahre werfen, diewichtigsten Entwicklungen nachzeichnen, den heutigen Standpunkt beleuchten undschließlich die wichtigsten aktuellen Entwicklungen skizzieren.
Wir feiern heute den Jahrestag der Gründungder „Höheren Fachschule für das Versicherungswesen“ in Köln. Eigentlich ist der6. Juli 1949 das genaue Gründungsdatum, wir haben aber die Jubiläumsfeier inden November verschoben, da die Gründungsväter bei allem Weitblick, der sonstder Versicherungswirtschaft zu eigen ist, nicht vorausgesehen haben, dass der60. Jahrestag mitten in die Prüfungsphase des Sommersemesters 2009 fallen und damiteine termingerechte Feier praktisch unmöglich machen würde. Dies war aber auchdas einzige erkennbare Versäumnis der Gründer, alle wesentlichen Entscheidungenhaben bis heute getragen. Die Gründer – das waren seinerzeit die Mitglieder undvor allem der Vorstand des Vereins der Förderer des Instituts fürVersicherungswissenschaft an der Universität zu Köln, in dem sich damals – kurznach dem Kriege – die Kölner Versicherungswirtschaft organisiert hatte, soweites Fragen der akademischen Ausbildung im Versicherungsbereich betraf.
Betrachtet man die damals schriftlichformulierten, mit der Gründung der Höheren Fachschule verbundenen Ziele, soerkennt man schnell, dass viele von ihnen bis in die heutige Zeit Gültigkeithaben. Dies gilt insbesondere für die Ansprüche an die Studierenden, von denendamals schon die Befähigung zum abstrakt-wissenschaftlichen Denken und einegewisse Berufspraxis im Versicherungsbereich bereits vor Studienbeginn verlangtwurde; es gilt aber auch für die Studienpläne, die zwar praxisorientiert seinsollten, dennoch aber über die Inhalte der kaufmännischen Lehre deutlichhinausgehen sollten. Heute wird das Ziel mit „praxisorientierter Ausbildung aufwissenschaftlicher Grundlage“ umschrieben, die Analogien sind aber nicht zuübersehen.
Nach der Gründung
Nach der Gründung ging es mit der Einrichtungzumindest in formaler Hinsicht lange Zeit nur noch bergauf. Bereits zwei Jahrenach ihrer Gründung erhielt die Höhere Fachschule für das Versicherungswesendie rückwirkende Anerkennung als Ersatzschule, und sie bekam auch einen neuenNamen, nämlich „Versicherungsakademie – staatlich anerkannte höhereFachschule“. Die Anerkennung als Ersatzschule brachte eine Reihe von Vorteilenmit sich: Die Abschlussprüfung wurde einer staatlichen Prüfung in vollem Umfanggleichgestellt, das Land Nordrhein-Westfalen übernahm den Löwenanteil derFinanzierung, der Schulträger behielt aber letztlich inhaltlich das Sagen, unddie hauptamtlichen Lehrkräfte wurden den Landesbeamten wirtschaftlich undrechtlich gleichgestellt. Während die Höhere Fachschule von 1949 noch eine reinprivatwirtschaftliche Einrichtung war, deren Abschluss keine staatlicheAnerkennung gefunden hätte, wurde nun die Abschlussprüfung der erstenAbsolventen auch rückwirkend staatlich anerkannt. Allerdings bedeutete derAbschluss, so geachtet er auch in der Versicherungswirtschaft bereits war, nochkeine Hochschulzugangsberechtigung. Insofern war er also nicht mehr als einstaatlich anerkannter Schulabschluss, der dem Abitur eindeutig nachgeordnetwar.
Ebenfalls im Jahre 1951, also zwei Jahre nachder Aufnahme des Lehrbetriebs, gründeten die ersten Absolventen eineVereinigung, die heutige Vereinigung der Versicherungs-Betriebswirte, die imLaufe der Jahre eine großartige Entwicklung nahm, heute annähernd 2000Mitglieder umfasst und uns in all den Jahren freundschaftlich begleitet undunterstützt hat.
Deutsche Versicherungs-Akademie (DVA)
Der nächste Schritt zu einer formalen Höherstufungwar die am 17. August 1964 verliehene Bezeichnung „Staatlich genehmigte höhereWirtschaftsfachschule für das Versicherungswesen – DeutscheVersicherungs-Akademie (DVA)“. Diese Anerkennung als HöhereWirtschaftsfachschule führte zu einer fachgebundenen Hochschulreife, also einemaufgewerteten Schulabschluss, was allerdings voraussetzte, dass auchallgemeinbildende Bestandteile in das Studium integriert wurden. So wurde ab1964 beispielsweise das Fach Deutsch gelehrt, ferner Geschichte, politischeBildung, Fremdsprachen und manches andere. Dies führte nebenbei auch zu einerVerlängerung des Studiums auf 6 Semester mit Beginn des Sommersemesters 1967.
Gleichzeitig erhielt die DeutscheVersicherungs-Akademie das Recht, ihre Absolventen zu Betriebswirten zugraduieren und die Bezeich-nung Betriebswirt (grad.) zu verleihen. SämtlicheAbsolventen, die vor diesem Termin die Abschluss-prüfung bestanden hatten,konnten, wenn sie es wollten, nachträglich graduiert werden. Gerade aus diesenJahren stammen Absolventen der DVA, die hinterher noch mit Erfolg einHochschulstudium absolvierten, zum Teil sogar promovierten, undhochqualifizierte Führungskräfte geworden sind. Aber auch ohne nachfolgendesHochschulstudium waren viele DVA-Absolventen außergewöhnlich erfolgreich, undes freut mich, dass viele frühere Studenten gerade aus dieser Zeit, die es zuVorstandsvorsitzenden, Vorstandsmitgliedern oder in anderer Weise zubeachtlichem beruflichem Erfolg gebracht haben, heute in unserem Kreiseanwesend sind.
Überleitung der DVA in die Fachhochschule Köln
Die bis heute letzte weitereStufe der formalen Anerkennung brachte schließlich die Überleitung der DVA indie Fachhochschule Köln mit sich. Im Herbst 1968 schuf ein Abkommen zwischenden Bundesländern die rechtliche Basis für die Gründung von Fachhochschulen,die im tertiären Bereich, also im Hochschulbereich, angesiedelt werden sollten.Diese Fachhochschulen sollten und sollen eine praxisnahe Ausbildung aufwissenschaftlicher Grundlage gewähren. Naturgemäß fiel es Vielen nicht leicht,diesen Schritt der Aufgabe der DVA nach mehr als 20-jährigem außerordentlicherfolgreichen Wirken zu vollziehen und die Überleitung in die FachhochschuleKöln zu unterstützen. Insbesondere der Schulträger, der sich mittlerweileGesellschaft zur Förderung der Deutschen Versicherungs-Akademie e.V. nannte,befürchtete, dass die Versicherungswirtschaft an Einfluss verlieren würde. DieProfessorenschaft war gespalten, während die Studenten die Überleitung in dieFachhochschule uneingeschränkt befürworteten. Die Letzteren versprachen sichvon einem akademischen Abschluss noch weiter verbesserte Chancen für ihreberufliche Entwicklung innerhalb und außerhalb der Versicherungswirtschaft, imIn- und vielleicht sogar im Ausland, und das angenehmer Weise ohne einenennenswerte Änderung der Lehrinhalte. Wir befanden uns damals in den späten68-er Jahren, also in einer Zeit, in der die Studenten ohnehin zur Rebellionneigten, und so gab es damals das heute noch legendäre Streiksemester im Sommer1969, mit dem die damaligen Studierenden ihre Ansprüche eindrucksvoll untermauerten.Dennoch stand die Überleitung lange auf der Kippe, mal schien alles glatt zugehen, mal schien sie bereits gescheitert zu sein, letztlich setzten sich aberdie Befürworter des Übergangs in die Fachhochschule durch. Und so beschloss derSchulträger am 7. Juli 1971, also fast genau 22 Jahre nach der Gründung, dieBildungseinrichtung in die Fachhochschule Köln überzuleiten.
Erleichtert wurde diese Entscheidung wohlletztlich dadurch, dass die Versicherungsausbildung in einem eigenenFachbereich bestehen blieb, nicht also als Teilbereich eines größerenFachbereichs Betriebswirtschaft organisiert wurde, dass alle Studenten undDozenten übernommen wurden, und dass sich an der grundsätzlichen Zielsetzungder Ausbildung nichts änderte. Damit verlor zwar die Versicherungswirtschaftund der von ihr besetzte Schulträger an Bedeutung – die Entscheidungen werdenseit 1971 im Ministerium und in Hochschulgremien getroffen – aber es warabsehbar, dass die enge Verbundenheit zwischen dem Fachbereich und der Versicherungswirtschaftinhaltlich wie personell auf Dauer bestehen bleiben würde.
Der Fördererverein
Dennoch gab es Brüche, die bis hin zu offenenFeindseligkeiten mit führenden Vertretern der Versicherungswirtschaft führten.Einige große Gesellschaften zogen nicht nur ihre Unterstützung zurück, sonderndrohten unverhohlen damit, den Fachbereich in aller Öffentlichkeit zu bekämpfenund somit auf Dauer seine Schließung zu erzwingen. In dieser Situation war esfür uns ein Segen, dass es – auch mit Hilfe früherer Absolventen, die bereitseine erfolgreiche Laufbahn in der Versicherungswirtschaft zurückgelegt hatten –gelang, einen neuen Fördererverein aufzubauen, der zunächst einen Teil derVersicherungswirtschaft wieder an den Fachbereich heranführte. Unterstützt auchvon Professoren des Fachbereichs und dem damaligen Vorsitzenden der Vereinigungder Versicherungs-Betriebswirte, Henner D. Gottschling, gaben beispielsweiseDr. Günther Schmidt, damals Vorstandsmitglied im Gerling-Konzern, und Dr. Voß,Generaldirektor der Provinzial in Düsseldorf, wichtige Impulse. An ersterStelle ist aber Prof. Dr. A. Wilhelm Klein, der langjährige Generaldirektor derGothaer Versicherungsbank zu nennen, der den Vorsitz im neu gegründetenFördererverein übernahm, ihn in der ihm eigenen beharrlichen, kämpferischen undverlässlichen Art gegen alle Widerstände unterstützte und ganz wesentlich dazubeitrug, dass der Fachbereich Versicherungswesen wieder Fuß fassen und seit denfrühen siebziger Jahren wieder zu der Bedeutung und der Qualität vergangenerJahre zurückfinden konnte.
Verdiente Persönlichkeiten
Meine Damen und Herren, vielleicht ist dies derrichtige Zeitpunkt für einen kurzen Einschub, um in kurzer Form einige derPersönlichkeiten hervorzuheben, die uns in den vergangenen Jahrzehntenbesonders verbunden waren und uns in außergewöhnlicher Weise unterstützt haben.Sie wissen, dass jede Einrichtung nicht zuletzt davon lebt, dass herausragendeMenschen ihr ihren Stempel aufdrücken und sie in ihrer Entwicklungvoranbringen. Auch die frühere DVA, der Fachbereich Versicherungswesen undunser heutiges Institut haben reichhaltig davon profitiert. Naturgemäß ist esaber unmöglich, alle diejenigen zu benennen, die uns in 60 Jahren an führenderStelle unterstützt haben und denen wir zu besonderem Dank verpflichtet sind.Dennoch: da sich die Entwicklung einer Institution auch an Namen festmacht,möchte ich nicht gänzlich darauf verzichten, den einen oder anderenhervorzuheben, und bitte gleichzeitig alle in Ihrem Kreise um Vergebung, die eineöffentliche Anerkennung ebenfalls redlich verdient hätten.
Ich habe gerade die Anfänge unseresFörderer-vereins angesprochen mit Herrn Prof. Klein als erstem Vorsitzenden.Als er den Staffelstab vor 16 Jahren an Herrn Dr. Bernhard Schareck weiter gab,konnten wir noch nicht annähernd ermessen, welchen Glücksfall dies für unsbedeuten würde. In jeder nur erdenklichen Weise haben Sie, lieber Herr Dr.Schareck, uns seit dieser Zeit unterstützt, und ich glaube, wir haben auch einwenig von Ihrem beruflichen Erfolg und Ihrem wachsenden Einfluss profitierendürfen. Vor allem aber haben wir jederzeit gespürt, dass Sie uns weit überalles Geschäftsmäßige hinaus herzlich zugetan sind und dass wir in Ihnen einenguten Freund haben. Dafür danke ich Ihnen gemeinsam mit meinen Kolleginnen undKollegen ganz herzlich. Und dass Sie kürzlich auch den Vorsitz des neugegründeten Hochschulrates der Fachhochschule Köln übernommen haben, belegtnoch einmal sehr eindrücklich, dass Ihnen Bildungsfragen am Herzen liegen unddass Sie auch das nachhaltige Engagement nicht scheuen.
Neben den Vorsitzenden des Förderervereinsmöchte ich aber nicht versäumen, pauschal auch die Schatzmeister zu würdigen,die einen wichtigen Teil der Arbeit zu unseren Gunsten erledigt haben und mitdenen wir immer sehr vertrauensvoll zusammen gearbeitet haben.
Ehrungen
Lassen Sie mich nun in kurzer Form auf die Damenund Herren zu sprechen kommen, die besondere Ehrungen durch die FachhochschuleKöln erfahren haben. Zum ersten hat unser früherer Fachbereich dreiHonorarprofessoren hervorgebracht. Der erste war Herr Prof. Dr. Klein, der sichnicht nur, wie erwähnt, als Förderer unseres Fachbereichs besonders verdientgemacht hat, sondern der sich auch bis heute als Vorsitzender desGesamtförderervereins der Fachhochschule für uns alle einsetzt. Der zweiteHonorarprofessor war der bereits vor längerer Zeit verstorbene Prof. Dr. GerdKrems, seinerzeit Personalvorstand bei Dynamit Nobel, und der dritte im Bundeist Herr Prof. Dr. Reinhold Höfer, einer der führenden Vertreter derbetrieblichen Altersversorgung in Deutschland.
Aus dem Fachbereich Versicherungswesen istauch der allererste Ehrensenator der Fachhochschule Köln hervorgegangen, undSie werden es nicht erraten, dieser erste war wiederum Herr Prof. Klein.Schließlich wurde Anfang der neunziger Jahre die Ehrenmedaille derFachhochschule Köln für besonders verdiente Mitglieder und Freunde geschaffen,und auch hier stellte der Fachbereich Versicherungswesen den ersten Träger inder Gestalt unseres verehrten früheren Dekans, Herrn Prof. Dr. Greb. Aber auchFrau Dr. Doerry, die langjährige Schatzmeisterin des Förderervereins, HerrProf. Helbig, der über viele Jahrzehnte als Lehrbeauftragter mit Leidenschaftund Kompetenz die Versicherungsmathematik bei uns vertreten hat, Herr Henner D.Gottschling als langjähriger Vorsitzender der Vereinigung derVersicherungs-Betriebswirte und Herr Dr. Hermann Jörissen als verdienterLehrbeauftragter im Bereich der Haftpflichtversicherung sind bereits mit dieserMedaille ausgezeichnet worden. Ganz besonders gefreut habe ich mich über dieEntscheidung unseres Präsidenten und des Gesamt-Förderervereins, dieEhrenmedaille im Rahmen der heutigen Festveranstaltung an Herrn Wolfgang Frankezu verleihen, für dessen bereits seit vielen Jahren andauerndefreundschaftliche Unterstützung in seiner Funktion als Vorsitzender unsererAbsolventenvereinigung wir außerordentlich dankbar sind, und dem ich auch vondieser Stelle aus noch einmal herzlich gratuliere. Jede dieser Ehrungen hatauch ein wenig Glanz auf unsere Einrichtung geworfen, und wir haben uns mitjedem der Geehrten gefreut. Wir sind ihnen zu Dank verpflichtet, aber natürlichnicht nur ihnen. Und so möchte ich die Gelegenheit nutzen, all denPersönlichkeiten, all den Institutionen, die uns über Jahrzehnte hinwegunterstützt haben, sei es individuell als Lehrbeauftragte, sei es durchpersönlichen Einsatz im Vorstand oder Beirat des Förderervereins, sei es durchdie materielle oder ideelle Förderung, sei es in der Vereinigung der Versicherungs-Betriebswirte,sei es in Verbänden, in Unternehmen, im Rektorat/Präsidium oder derFakultätsleitung, einen ganz besonderen Dank auszusprechen. Wir haben uns immerbemüht, das Vertrauen zu rechtfertigen, und wir werden uns auch weiterhinanstrengen.
Konsolidierung
Nach der Gründung des Fachbereichs Anfang der70-iger Jahre folgten etwa 30 Jahre der Konsolidierung und der ruhigenWeiterentwicklung. Die wichtigsten Ereignisse in dieser Periode waren zunächstdie Einrichtung des Zusatzstudiengangs Versicherungsingenieurwesen am3.10.1989, die Einwerbung einer Stiftungsprofessur für diesen Zusatzstudiengangim Jahr 1997 und bereits zuvor die Gründung des „Seminars für beruflicheWeiterbildung“ durch Professoren des Fachbereichs Versicherungswesen und Vertreterder Vereinigung der Versicherungs-Betriebswirte am 14.12.1983 (Eintragung indas Vereinsregister am 08.11.1984). Damit ist der Fachbereich bereits sehr frühseinem gesetzlichen Weiterbildungsauftrag nachgekommen, einer Aufgabe also, derwir uns seit einigen Jahren verstärkt widmen. Später kam dann die Etablierungvon Veranstaltungen hinzu, die wir bis heute regelmäßig durchführen, etwa desalljährlichen Kölner Versicherungssymposiums, das seit einigen Jahren durch einsehr erfolgreiches Rückversicherungssymposium ergänzt wird, regelmäßigeStrategietagungen sowie eine jährliche Abschlussfeier. An der Spitze derEntwicklung standen wir, als wir noch zu Fachbereichszeiten im Jahr 2001 gegenviele Bedenken innerhalb der Hochschule mit erheblicher Unterstützung durch dendamaligen Rektor und heutigen Präsidenten das „integrierte Studium nach demKölner Modell“ entwickeln und einführen konnten, ein duales Studium, das sichbis heute als außerordentlich erfolgreich erwiesen und unsere Verbindung zu denVersicherungsunternehmen im Kölner Raum (einschließlich Aachen, Bonn,Wuppertal, Dortmund, Neuss und Düsseldorf) sehr gefestigt hat.
Letzte Stufe: Institut für Versicherungswesen
Irgendwann aber ging die Ruhe zu Ende, und sobegann die letzte Dekade, auf die ich nun kurz zurückblicken möchte, mit einemtiefen Einschnitt. Unser Fachbereich Versicherungswesen verlor seineEigenständigkeit und wurde mit dem wesentlich größeren Fachbereich Wirtschaftzur Fakultät für Wirtschaftswissenschaften zusammengelegt. Im Vorfeld hattenwir uns mit allen Kräften dagegen gewehrt. Unsere sonst so friedlichenStudenten hatten vor dem Wissenschaftsministerium in Düsseldorf demonstriert,die Vereinigung der Versicherungs-Betriebswirte, die uns in dieser Phase sehrunterstützt hat, hatte eine hochrangig besetzte Pressekonferenz einberufen, umdie Problematik in die (Versicherungs-)Öffentlichkeit zu tragen, führendeRepräsentanten der Versicherungswirtschaft und wir selbst intervenierten auchpersönlich im Ministerium, aber es half alles nichts, der politische Wille wareinfach zu sehr verfestigt und ließ uns letztlich keine Chance. In mehrerenGesprächen im Hause der Victoria Versicherungen unter der Federführung vonHerrn Döring, dem damaligen Vorstandsvorsitzenden der Victoria, gelang es dannwenigstens, für die Übergangsphase gewisse Bestandsgarantien zu sichern. Seit2002 sind wir nun also nur noch das „Institut für Versicherungswesen“ undarbeiten somit unter geänderten Rahmenbedingungen.
Diese Rahmenbedingungen sind objektiv gegenüberder vorangegangenen Epoche nicht einfacher geworden. So ist das Institut fürVersicherungswesen in den Entscheidungsgremien der Fakultät in einer deutlichenMinderheitenposition, und bei allem guten Willen aller Beteiligten,insbesondere des Dekans, vermissen wir manchmal schmerzlich die frühereAutarkie und Selbstbestimmung. Der nachfolgende Umzug von der Mainzer Straße indas an sich sehr schöne, aber auch zuvor schon gut ausgelastete Gebäude an derClaudiusstr. 1 hat uns allen, übrigens auch den Kollegen aus dem Institut fürBWL, einen erheblichen Platzmangel beschert, insbesondere eine unzureichendeAusstattung mit Hörsälen, die dem Lehrbetrieb vieles an Flexibilität nimmt. Derräumliche Zusammenhalt des Instituts war anfänglich nicht selbstverständlichund ist derzeit infolge der eigentlich erfreulich ansteigenden Zahl vonProfessor(inn)en und Mitarbeitern erneut in Frage gestellt.
Vor diesem Hintergrund muss man den Kollegenaus unserem Institut, die in dieser schwierigen Übergangsphase als InstitutsdirektorenVerantwortung getragen haben, ebenso dankbar sein wie den BWL-Kollegen imDekanat, dass es trotz mancher interner Auseinandersetzungen gelungen ist,unser Institut sehr schnell wieder zu einem Erfolgsmodell zu machen. Inverschiedenen zentralen Punkten haben wir bereits wieder eine Spitzenpositionerreicht, worauf wir ein wenig stolz sein können. Dazu gehört es, dass wir denÜbergang in die Welt des Bologna-Prozesses sehr erfolgreich gemeistert haben.Die alten Diplomstudiengänge sind fast ohne inhaltliche Abstriche auf sehrsolide Weise in den Bachelor-Studiengang überführt worden, der den Absolventenweiterhin, so wie es der Gesetzgeber gewollt hat, einen anerkanntenberufsqualifizierenden Abschluss bietet. Auch unser zusätzliches Master-Angebothat nach einer kurzen Anlaufphase nunmehr großen Zuspruch gefunden. Nach meinerWahrnehmung sind die Qualität unseres Studiums und die Akzeptanz in derVersicherungspraxis in den letzten Jahren eher noch einmal gestiegen. Das neuezweistufige Studienmodell stellt übrigens für die Fachhochschulen insgesamt undgerade auch für unser Institut bei aller Kritik an Details eine große Chancedar. Insbesondere beim Vergleich der versicherungsbezogenen Master-Studiengängein Deutschland zeigt sich schon heute, dass wir aufgrund unserer überlegenenRessourcen ein Profil entwickeln konnten, das uns zu einem gewissenAlleinstellungsmerkmal verhilft. Ich bin davon überzeugt, dass derHochschultyp, an dem ein junger Mensch seine Qualifikation erwirbt, in derZukunft nicht mehr so entscheidend sein wird wie der Ruf der jeweiligenAusbildungsstätte und des konkreten Ausbildungsangebots. Damit aber haben wires selbst in der Hand, unseren Standort zu sichern, und ich glaube, wir sinddazu auf einem guten Weg.
Berufsbegleitende Studiengänge
Auch einen anderen aktuellen bildungspolitischenSchwerpunkt haben wir in den letzten Jahren bewusst mit großer Intensitätaufgegriffen, nämlich die Einrichtung berufsbegleitender Studiengänge. UnserZiel ist es, nicht nur im traditionellen Vollzeitstudium zu den führendenAdressen in der versicherungsbezogenen akademischen Hochschulausbildung zugehören, sondern auch auf dem neuen Feld der berufsbegleitenden akademischenWeiterqualifizierung. Und so haben wir bereits im Jahr 2006 gemeinsam mit derDeutschen Versicherungsakademie in München, deren gemeinsame Wurzeln mitunserem Institut ja aus dem zuvor Gesagten ersichtlich sind, den Studiengang„Bachelor of Insurance Practice (DVA)“ gegründet und sind derzeit gerade dabei,diesen Studiengang partnerschaftlich auf eine Weise weiterzuentwickeln, dieauch die bisherige branchenbezogene Ausbildung zum Versicherungs-Betriebswirt(DVA) mit integriert und in eine einheitliche Konzeption und Qualitätssicherungdurch die Fachhochschule Köln einbezieht. Darüber hinaus wird über eineweitergehende institutionelle Zusammenarbeit in diesem Rahmen nachgedacht. Wenndie Vorarbeiten abgeschlossen sind und der Studienbetrieb begonnen hat, wovonwir zum kommenden Wintersemester 2010/2011 ausgehen, dürfte unser Institut dieangesprochene führende Position in der – zunehmend nachgefragten – akademischenversicherungsbezogenen Weiterbildung bereits erreicht haben. Dazu trägt auchder Studiengang „Financial Services Management“ bei, den unser Institutgemeinsam mit der Zurich Versicherungsgruppe in den Jahren 2007 und 2008konzipiert und aufgelegt hat.
Schließlich haben wir uns auch verstärkt derForschung zugewandt und an unserem Institut zwei Forschungsstelleneingerichtet, die eine mit dem Schwerpunkt auf der Rückversicherung, die anderefür den Bereich Versicherungsrecht.
Lassen Sie mich noch kurz ohne dieErläuterung von Details auf ein Luxusproblem eingehen. Wir schwimmen zur Zeitim Geld. Jedes Jahr erhält unsere Fakultät einen Betrag aus Studiengebühren, deretwa dreimal so hoch ist wie der normale Etat, mit dem wir jahrzehntelangauskommen mussten, und den wir auch weiterhin erhalten. Dies wirft ganzungewohnte Fragen auf: Wie und wofür gibt man so viel Geld so aus, dass dieStudierenden möglichst direkt den Nutzen ihrer Zahlungen spüren, ohne aber dieMittel in purem Aktionismus zu verschwenden? Wie kommt man mit sachlichenBeschränkungen und problematischen Rechnungsabgrenzungen zurecht, und wiebeschränkt man die Risiken, die sich daraus ergeben können, dass insbesonderePersonalmaßnahmen zu mindestens mittelfristigen Verpflichtungen führen, derFortbestand der Studienbeiträge aber einem ständigen politischen Risikounterliegt? Alle Beteiligten, vom Präsidium über die Verantwortlichen in denFakultäten bis zu den Studentenvertretern, haben sich erst langsam und mitgelegentlich wechselnden Philosophien an diese Fragen heran getastet. ImAugenblick dominiert auf Druck des Ministeriums zu meinem Missfallen das Dogmades schnellen Mittelabflusses, aber auch das kann sich schnell wieder ändern.Ausdrücklich hervorheben möchte ich aber, dass die traditionelle Förderungdurch den Fördererverein und den Sonderfonds der VVB keineswegs obsoletgeworden sind; auch die Verwendung der Studienbeiträge unterliegt den Vorgabender Landeshaushaltsordnung, so dass wir vieles ohne die Förderung unsererFreunde gar nicht oder nur mit unendlicher Bürokratie realisieren könnten.
Fazit
Insgesamt hat also unser Institut trotz dergeänderten Rahmenbedingungen in den letzten Jahre wichtige Schritte nach vornegemacht, und ich bin sicher, dass es sich nicht auf seinen Lorbeeren ausruhenwird. Meine sehr verehrten Damen und Herren, vor 10 Jahren habe ich dieGeschichte unseres Fachbereichs in meiner damaligen Funktion als Dekan beleuchtet,heute spreche ich zu Ihnen als ältestes hauptamtliches Mitglied unseresKollegiums und immerhin noch als Prodekan. Sollte jemand auf die Idee kommen,mich in 15 Jahren anlässlich der 75-Jahrfeier des Instituts noch einmal redenzu lassen, so werde ich dann die Idee eines Kollegen aufgreifen, über dieEntwicklung der Versicherungswirtschaft bis zum Jahr 2500 zu philosophieren.Das Institut sollte sich also genau überlegen, was es tut. Bis dahin aberkönnen wir alle gespannt sein, wie sich unsere Einrichtung weiter entwickelt.In jedem Fall verspreche ich Ihnen, dass wir uns auch zukünftig anstrengenwerden, die bewährten Stärken unseres Institutes, nämlich die praxisnaheAusbildung, die wissenschaftliche Arbeit und die ständige Bereitschaft zurInnovation, weiter auszubauen und auch weiterhin ein respektierter Partneraller im Versicherungswesen Tätigen zu bleiben. Von Ihnen allen, meine Damenund Herren, wünsche ich mir – genau wie meine Kolleginnen und Kollegen – denFortbestand Ihrer freundschaftlichen Zuwendung, Ihrer Unterstützung, IhresEngagements, und ich danke Ihnen dafür nicht nur bereits im Voraus sehrherzlich, sondern insbesondere auch dafür, dass Sie uns in der Vergangenheitimmer die Treue gehalten haben.
Herzlichen Dank.